Flucht in die Stadt und ins Kino

Nachdem für heute und für die nächsten beiden Tage Regen angesagt war, haben wir uns schon heute (zwei Tage vor unserem Heimflug) in die Stadt Catania sozusagen zurückgeflüchtet.
Bei strömenden Regen sind wir die 16 Kilometer von Nicolosi, welches sich auf 700 Meter über dem Meer befindet, nach unten gefahren. Die Räder waren nach kurzer Zeit verdreckt. Wir nahmen in diesem Fall die Hauptstraßen. In München würden wir sagen, den mittleren Ring. Aber die Straßen waren breit und wir kamen perfekt zurecht. Ob nach Bremsbeläge da sind, kann ich erst zu Hause in der Werkstatt berichten….Da wir schon Mittags hier in Catania ankamen, konnten wir noch durch das Zentrum der Stadt schlendern. Erinnerungen an unseren ersten Urlaub und unseren ersten Tag auf Sizilien vor zwei Jahren wurden wach. Die Stadt pulsierte. Es war viel los. Und der Regen hielt sich in Grenzen. Zumindest die Regenjacke reichte. Dafür wurden wir von ca. 20 Schirmverkäufer angesprochen, ob wir nicht ins Geschäft kommen wollen. Unsere Kapazitäten für Einkäufe sind ja begrenzt, aber für den Haushalt meines Vaters gab es eine schöne Mokkakanne von Bialetti (ui… Schleichwerbung, aber wir haben es regulär bezahlt, somit darf ich den Namen schon erwähnen). Sie ist aus Edelstahl und nicht aus Aluminium. Und was das beste ist… wir haben sie im Orginalshop gekauft. Außerdem gab es noch ein Milchkännchen zum Aufschäumen für unsere Siebträger-Kaffeemaschine. Da kann ich jetzt einen halben Liter Milchschaum auf einmal machen….Am späteren Nachmittag fing es wieder stärker an zu regnen. Deswegen sind wir ins Kino gegangen. Kein Witz! Wir wollen das schon seit letzten Donnerstag. Da war der Filmstart für den Streifen „Bentornato Presidente“. Eine Komödie. Leider hat es in den Orten, in denen wir waren entweder kein Kino gegeben oder wir waren um die Vorführzeit beim Essen. Und nach einer Radletappe ist das Essen immer wichtiger! Aber zurück zum Film. Es ist eine Fortsetzung des Films: „Bienvenuto Presidente“. Den ersten Film haben wir mehrfach gesehen. Auf Deutsch und auch auf Italienisch. Die Macher nehmen dabei die italienische Politik auf die Schippe und auch die Eigenheiten, wie die Korruption, die politischen Intrigen und warum die Politik nicht was ändern sollte. Dabei ist sich nach der Wahl des Parlamentes keiner der Parteien sich einig, wer Präsident werden soll. Also wählen Sie aus Jux Giuseppe Garibaldi, bekanntlich schon lange tot. Aber die Statuten sehen vor, dass die Wahl gültig ist. Und es gibt einen Giuseppe Garibaldi. Er lebt in den Bergen, fischt gerne Forellen und ist eine netter Mensch. Der wird dann Präsident und Krempel den ganzen Laden um.
Hier der Link zum Trailer (leider nur italienisch gefunden): http://www.filmstarts.de/kritiken/225219/trailer/19555607.htmlUnd heute konnten wir die Fortsetzung ansehen. Wir gingen gleich in die Nachmittags Vorstellung um 16:30 Uhr. Kostete 6 Euro… für uns beide wohlgemerkt. Das war ein günstiges Vergnügen und wir von der Straße weg, auf der es immer noch regnete. Wir haben auch erstaunlich viel verstanden. Die Handlung auf jeden Fall. Nur hin und wieder blieben wir an ein paar Phrasen hängen. Im Kino kannst halt auch nicht zurückspulen oder anhalten und im Wörterbuch nachsehen. Aber echt super der Film. Diesmal steigt der vor 6 Jahren wieder zurückgetreten Giuseppe Garibaldi wieder in die Politik ein. Die Regierung kann sich auf keinen Premier einigen. Es gibt Linke und Rechte. Jeder will den Chef spielen. Komisch, das kennt man doch. Ist das nicht ein klein bisschen die Situation, in der sich die Regierung letztes Jahr befand…. Ach ja, Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind sicher reeeeeeiiiiinnnn zufällig….. Auf jeden Fall Krempel Garibaldi Italien wieder richtig um. Und er hält auch der Italienischen Bevölkerung auf komödiantische Weise den Spiegel vor. Sehr lustig und auch tiefsinnig. Uns hat es gefallen. Wer weiß, wann der mal bei uns im Fernsehen zu sehen ist.
Hier der Trailer zum neuen Film:
https://youtu.be/4ZKf0yJcOlkMorgen wird es etwas langweiliger. Da heißt es Räder auseinanderbauen und im Karton verpacken. Taschen verpacken…. All das was man nicht so gerne macht, weil man weiß, der Urlaub geht jetzt zu Ende.

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Der Kreis schließt sich nach drei Jahren Sizilien…

Heute war ein schöner Tag. Das Wetter war herrlich, etwas kalt vielleicht, aber da schaut man im Urlaub darüber hinweg und wir könnten in Nicolosi zu unserer Tour auf den Ätna gestartet. Wir wollten natürlich nur die Straße zum Rifugio Sapienza fahren, so hoch man die Straße gebaut hat. Weiter auf Ätna könnte man über die Schotterpiste weiter hoch fahren. Danach geht es noch zu Fuß weiter. Dort weiter oben waren wir bereits vor zwei Jahren. Heute wollen wir den Weg von Nicolosi auf den Ätna fahren, den wir schon zweimal runtergefahren sind. Dafür wollten wir eine Abfahrt nehmen, die wir noch nicht kennen. Es gibt insgesamt 3 Straßen auf das Rif. Sapienza. Die uns noch unbekannte Straße wurde letztes Jahr beim Giro Italia von den Profis befahren. Also nix wir rauf, dachten wir. Eine Königsetappe, die wir mit weniger Gepäck angehen konnten, da wir das meiste auf dem Zimmer in Nicolosi ließen. Doch mit 13, 5 Kilo Rad und doch noch drei bis vier Kilo Gepäck + Rucksack für das Fotoquipment schwerer als zu Hause mein 6,9 Kilo Rennrad.

Das Rauffahren war ein Genuss. 1300 Höhenmeter auf ca. 18 Kilometer gab es zu bewältigen. In der Auffahrt war wenig Verkehr und auch wenig Radler, obwohl die Radfahrer hier oft sehr zahlreich vertreten sind. Nur zwei Mountainbiker schlossen nach einiger Zeit auf, die locker radelten. Aber ich auch. Ich sprach ein lockeres „Ciao“ heraus, ohne groß zu atmen. Der Puls war auch bei gemütlichen 130 Schlägen. Die beiden kamen nur langsam weiter. Und dabei hatten sie schöne 8-Kilo-Mountainbikes aus Carbon. Und ich – meinen 1996er Esel, der seit über 20 Jahren mein Gepäck zieht, bzw. sich von mir treten lässt.

Es ist eine bekannte Radstrecke, auf der sogar Schilder aufgestellt sind, dass Autofahrer Rücksicht nehmen sollen, da hier Radfahrer trainieren (s. Bild)

Rauf haben wir ein paar schöne Bilder gemacht und Filme gedreht. Irgendwie ist dieser Anstieg schon so etwas, wie der krönenden Abschluss von drei Jahren Urlaub auf Sizilien. Das heißt nicht, dass es nicht noch weitere Fahrten auf Sizilien gibt. Im Gegenteil – wer weiß, ob wir nicht noch Reisen hier unternehmen und all die Orte noch ansehen, die uns entgangen sind, oder die nicht auf unserem Weg lagen. Sizilien haben wir schon in unser Herz geschlossen….

Oben auf der Passhöhe haben wir es uns bei einem Cappuccino und Schinken mit Käse gemütlich gemacht. Die Sonne wärmte herrlich. Nur im Schatten war es frostig oder wenn der Wind blies. Dazu gab es übrigens gekochte Kartoffeln. Ungewöhnlich. Sie sind uns bei Kochen vorgestern in Piazza Armerina übrig geblieben und eignen sich hervorragend als Beilage. Einfach abbeißen.

Die Abfahrt war schön, aber diese Strecke nicht so spektakulär die die beiden anderen Straßen. Um halb vier sind wir in Nicolosi angekommen. Ist ja noch Zeit. Deswegen beschloss ich, noch mal rauf zu fahren und zwar diese Strecke, die wir gerade runtergekommen sind. Wenn ich nicht gar zu sehr trödle, müsste ich die 1250 Höhenmeter in 1,5 Stunden schaffen. Also los. Es ging gut voran und es war sehr einsam. Zweimal kam ein Auto entgegen. Sonst sah ich keine Menschenseele. Oben hinaus nieselte es bereits etwas. Das schlechte Wetter soll ja morgen und übermorgen die Gegend beherrschen. Der Grund, warum wir heute unsere Ätnatour machen wollten. Auf dem Pass war es menschenleer. Wo wir nach Mittag noch Stimmen verschiedenster Sprachen hörten und Busse mit vielen Touristen hier oben waren – jetzt lag eine fast gespenstische Stille hier oben. Und es war kalt Nur gut zwei Grad zeigte das Thermometer. Also nix wie rein in warme Sachen und runter ins Tal. Schön war das und mehr als 2600 Höhenmeter auf meiner Uhr heute. Klar schmeckte die Pizza heute noch besser….

Elke war in der Zeit meines zweiten Anstiegs im Ort Nicolosi unterwegs und war im Radlgeschäft von FRM. Da traf sie den Biker von heute morgen. Er meinte, ihr Mann sei nicht schlecht gefahren. Sie erwiderte nur, dass er noch mal rauf ist – einmal ist keinmal…. Bei der Recherche nach dem Typen sahen wir im Internet, das er die letzte Zeit bei den besten Mountainbiken Siziliens ist und letztes Jahr viele Rennen gewonnen hat. Da sieht man mal, was unser Trainings-Urlaubslager bringt….

Morgen geht es (sicher im strömenden Regen) nach Catania. Leider keine lange Etappe mehr. Aber das Wetter kann man sich nicht aussuchen. Wir machen das Beste daraus und sehen uns nochmal die Stadt an.

Ja, so schloss sich jetzt der Kreis von 3 Urlauben auf Sizilien wieder hier auf dem Ätna. 2300 Kilometer und mehr als 30.000 Höhenmeter haben wir erradelt und viel erlebt. Auf neue Radlabenteuer, vermutlich auch wieder auf Sizilien….

Wiedersehen mit dem Ätna

Wie gestern schon angekündigt ging es heute auf eine lange Etappe zurück in die Nähe des Ätna. Der Morgen in Piazza Armerina begann sehr kühl und mit Nieselregen. Super – genau das richtige für die längste Tour dieser Reise (90 Kilometer und 1200 Höhenmeter). Aber wie es so ist nimmt man sich etwas vor und irgendwie klappt es auch. Wir haben schon für die nächsten beiden Tage ein Zimmer in Nicolosi gebucht. Ein kleines Bed & Break fast, die auch damit werben, dass sie Radfahrer sehr gerne mögen. Perfekt.Der Beginn der Tour war trotz Kälte fabelhaft. Wir durchquerten einen schönen Wald, der als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen war. Hier ging es noch etwas bergan, bevor es in Aidone richtig hinunterging. Die ersten 30 Kilometer verflogen damit wie im Flug und es war erst kurz nach Mittag. Dann Bogen wir auf eine kleine Nebenstraße ab, die gesperrt war. Als Radfahrer ist das aber kein Hindernis. Es waren sogar noch Beschilderung einer Provinzstraße zu sehen und in der Karte hatte die Straße auch eine Nummer. Es war kein anderes Fahrzeug weit und breit und wir hatten die Straße für uns.. Irgendwann wurde der Straßenbelag etwas schlechter – auch kein Problem. Als dann gar kein Teerfleck mehr vorzufinden war, ging es leider nicht mehr so schnell weiter. Es ging auf und ab und das Gepolter wurde immer mehr. Langsam musste ich die Zähne zusammen beißen, damit die Plomben nicht rausfallen. Die Kekse im Packsack waren sicher nur noch Staub, dachte ich. Und die Saftschorle hätte man James Bond anbieten können. Die war nur geschüttelt, nicht gerührt. Wir sahen alte Straßenschilder mit Wegweiser zu den Nachbarorten. Diese waren so vertröstet, dass sie zum Teil schon durchgerostet und abgefallen waren. Die Straße ist schon seit Jahrzehnten nicht mehr im Betrieb. Nach doch vielen Kilometern gelangten wir auf eine Straße und genossen die Ruhe, die nur von dem leisen Abrollgeräusch der Reifen begleitet wurde.Nach 65 Kilometer ging es in den Schlussanstieg. Gut, 500 Höhenmeter hatten wir schon gemacht. Es kamen also noch ca. 700 bis um Ziel dazu. Waren wir heute bis zu diesem Moment in der Natur und auf kleineren Straßen – von dem Holterdiepolterstück will ich gar nicht reden, ging es dann durch die Städte Paterno und Belpaso. Ich navigiert effektiv und ohne große Umwege hindurch. In Paterno nahmen wir eine Seitenstraße, die auch für einen Durchgangsverkehr gesperrt war. Normalerweise super für uns. Aber auch hier erlebten wir wieder eine Überraschung. Nach hundert Metern würde die zweispurigen Straße einspurig, denn links und rechts türmte sich Müll, der einfach hier abgeladen wurde. Von Dutzenden alten Reifen, Möbel, Haushaltsmüll und sogar Abfall aus Krankenhäuser oder Ärzten, alles füllte beide Ränder der Straße. Wir haben ja schon viel Müll auf Sizilien gesehen und auch letztes Jahr davon berichtet. Doch das war sicher am Schlimmsten. Ich habe die Szene etwas gefilmt. Nur kurz, da schon Leute zu sehen waren, die den Müll durchstöberten oder auch etwas hier abluden. Dabei habe ich die Kamera gleich wieder eingepackt. Einen halben Kilometer mussten wir das aushalten. Die Luft roch nach verbrannten Plastik. Der eine oder andere Müllhaufen wurde nämlich einfach angezündet. Dabei gibt es auch andere Gegenden. Noch heute morgen kamen wir aus einem Ort, der sogar richtige Mülltrennung lebt.Um 18 Uhr kamen wir dann bei schon wieder kalt gewordenen Temperaturen an und genossen noch einen schönen Abend in Nicolosi. Morgen soll es auf den Ätna gehen,…. Äh fahren natürlich. Da es am Donnerstag und Freitag laut Wettervorhersage regnen soll, ist morgen noch die einige Chance in diesem Urlaub der berühmten Straße auf den Ätna hoch zu fahren. Deswegen müssten wir auch gestern und heute so strenge Etappen fahren. Und nach diesen beiden Tagen wird es morgen sicher auch noch mal anstrengend. Mal sehen…. Wir werden berichten.

Flowerpower

Was für Blumen es hier im Frühling auf Sizilien doch gibt? Es sind so viele, die frei in de Natur und vor allem am Wegesrand wachsen. Der Tag begann war im turbulenten Stadtverkehr von Gela, aber auch der hatte etwas. Wir kauften noch etwas Schinken und Brot für ein Mittagessen auf der Tour ein, weil wir wussten, dass wir bis zum Ziel keinen einzigen Ort mehr durchfahren. 50 Kilometer sah unser Etappenplan vor. Da lag eine Menge Natur vor uns. Wir kamen etwas später los, da ich mehr als 15 Minuten beim Metzger brauchte. Wenn ich schon mal einkaufen gehe….. Ich kam zwar gleich dran, aber der Chef und sein Geselle hinter der Theke wollten wissen, woher ich bin und wohin wir fahren. Und was wir alles noch ansehen sollten. Ich berichtete von unseren bisherigen Reisen auf Sizilien. Die beiden waren begeistert. Langsam wird meine Zunge auch auf italienisch lockerer. Und wild gestikulieren wie die Italiener kann ich auch. Elke sagte anschließend, sie hat mich schon, wie sagt man auf bayrisch, „fuchteln“ gesehen. Zumindest hab ich für das Mittagessen gesorgt.Dann ging raus aus der Stadt, obwohl das gar nicht so einfach war. Jede der gewählten Gassen endete an einer Treppe. Also doch über die Hauptstraße raus aus der Stadt. Macht nichts, wir sind den Verkehr schon gewöhnt. Dann raus in die Natur und dort gab es viel zu sehen. Vor allem sehr schöne Blumen. Ich habe eine Straße abseits der Hauptstraße gefunden, die eigentlich gesperrt und nur für landwirtschaftlichen Verkehr gedacht ist. Super. Später war die Straße ziemlich mitgenommen. Aber wir sind ja schließlich Mountainbiker, ob mit oder ohne Gepäck im Gelände.Am Ende hätten uns nur noch ein paar Hunde gefressen. An einer Straße in der Ortseinfahrt unseres Ziel haben mehrere Häuser hintereinander viel zu bewachen. Da waren auch viele Hunde und nicht alle waren hinter einem Zaun….Jetzt sind wir auf einem schönen Hof mit Eseln und Pferden, ein Kleinod mit Ruhe und Beschaulichkeit. Und das Essen haben wir uns heute selbst gemacht. Kartoffeln mit Basilikumpesto und Mozarella sowie Ricotta. Ein Gedicht…. Ein Tag voller Natur.Morgen steht uns eine ganz schön harte Strecke bevor. Heute waren es 50 Kilometer und ca. 1000 Höhenmeter. Morgen werden es über 90 Kilometer und 1200 Höhenmeter. Warum? Weil es am Donnerstag regnen soll und wir noch zum Ätna hochfahren wollen. Ob das gelingt? Das heißt auch am Mittwoch eine harte Etappe fahren. Wir werden es sehen. Und wir halten für die Leser die Spannung etwas hoch….

Gegensätze

Zuerst mal der Hinweis, dass ich heute von zweit Tagen berichten muss, da es gestern nur ein schlechtes Netz gab und WLAN-Verbindung gab’s auch nicht. Wie kommt es zum Titel heute? Zum einen gab es den Gegensatz von Stadt zu Land, den wir gestern hatten und heute von Land wieder in eine wuselnde Stadt.Deswegen erst mal der Bericht von Ragusa. Wir sind gestern morgen für einen Streifzug durch Ragusa Alta und Ragusa Ibla. Das eine ist die Stadt Ragusa oben auf dem Berg, das andere die sozusagen zweite Stadt Ibla auf einem Höhenzug direkt unterhalb von Ragusa. Wirklich sehenswerte Städte (alles Städte, die zum UNESCO-Welterbe zählen dürfen). Wie schon in den Vortagen berichtet, hat das schlimme Erdbeben 1693 den ganzen Süden Siziliens zerstört. In der Blütezeit des Barocks wurden diese dann mit viel Geld prunkvolle wieder aufgebaut. Leider verblasst die Blüte schnell, wenn man in die zweite oder dritte Reihe hinter den Platz der Kathedralen und Dome sieht. In der aktuellen Zeit bleibt viel auf der Strecke und es ist schade, das mit anzusehen. Ein Bäcker, bei dem wir waren hat uns seine Meinung über die Politik und das Leben aus seiner Sicht geschildert. Vieles ist kritikwürdig und die Gründe liegen in den Strukturen der Vergangenheit und dass man keine neuen Wege einschlagen will….Kaum zwei Kilometer von Ragusa entfernt, wir kamen übrigens erst um 12 Uhr mit dem Rad los, zeigte sich die Natur und wir genossen die Ruhe abseits enger Gassen und geschäftigen Treiben. Landwirtschaft bestimmt die Gegend. Natur und weniger Müll als in der Nähe der großen Siedlungen waren uns in diesem Moment sehr recht. Auf dem Dorfplatz in Monterosso ließen wir uns für eine Brotzeit nieder und genossen leckeren Schinken. Als dieser dann schnell verdrückt war, besorgte ich neuen in einer Metzgerei um die Ecke. Zwei Kunden und der Besitzer verwickelten mich gleich in ein Gespräch und wir hatten gleich viel zu lachen. Und sie wollten natürlich wissen, woher ich komme und wohin ich fahre. Verspätet auf dem Dorfplatz zurück war gleich ein weiter Passant bei uns und es ergab sich ein freundliches Gespräch. Auch in Ragusa wurden wir ein paar Mal angesprochen und gefragt, ob man uns helfen kann. Die Menschen hier im Süden Italiens sind durchwegs freundlich und offen.Unser Tagesziel war die Stadt Grammichele. Eine architektonische Besonderheit. Wieder zurück zum Erdbeben 1693…. Die Leser werden diese Zahl bald auswendig können…. Hier wurde die Stadt ein paar Kilometer neben der alten Siedlung neu aufgebaut. Man hatte sich ausgedacht, die Stadt sechseckig anzuordnen. Ein Blick auf den Stadtplan, sieht aus, als hätte man eine Stadt für ein Brettspiel entworfen. Auf dem großen Stadtplatz steht in der Mitte eine überdimensionale Sonnenuhr. Ein sehenswerter Ort, auch wenn der Reiseführer hierüber kein Wort verliert. Wir sind wieder in einer Gegend, über die kein Touristenführer berichtet. Das ist uns ohnehin am liebsten. Man sieht derzeit keine Touristen hier und auch sonst kommen diese nur vereinzelt.Heute ging es dann wieder von den Bergen zurück ans Meer. Durch einen tollen Wald, den Bosco Santa Petra und durch ein Tal welches auch ein Naturreservat ist, haben wir einen tollen Tag verbracht. Es war sozusagen ein Erholungstag. Nicht nur wegen der schönen Natur, sondern weil es 70 Kilometer fast nur abwärts ging. Nur gut 200 Höhenmeter Anstieg mussten wir bewältigen. Wir wissen, dass sich das bald wieder ändern wird. Am Ende der Woche hat sich wieder Regen angekündigt und wir müssen die nächsten beiden Tage etwas „ranklotzen“…. Aber davon werden wir ja noch berichten.Gela war unser heutiges Tagesziel. Die große Stadt am Meer. Vor der Stadt begrüßten uns stinkende Schote der Chemie-Industrie. Seit 1956 vor der Küste Siziliens im Meer Öl gefunden wurde, hat die heimische Petrol-Industrie Gela zum Industriestandort gemacht. Früher ein verschlafener Ort ist er zu einem zweifelhaften Aufschwung gekommen. In den Randbezirken durchfuhren wir flächenmäßig riesige Bezirke mit Hochhäusern, die an Schäbigkeit kaum zu überbieten sind. Wegen der Umweltverschmutzung hat sich Gela einen ähnlich schlechten Ruf gemacht, wie Augusta, von dem wir vor einigen Tagen berichtet haben. Und in Sachen Kriminalität ist die Medienpräsenz erheblich. Mafia, Bauspekulationen und und und. Eine Stadt, die man nicht gerne ansteuert. Doch weit gefehlt. Sie hat durchaus auch ihren Charme in der Innenstadt. Hier, wo man mit einem kleinen Smart schon eine Limousine besitzt, alles was größer ist als ein VW Golf unmanövierbar scheint. Hier, wo die Gehsteige an vielen Stellen nur 20 Zentimeter breit sind und der Fußabstreifer der Häuser sich noch darauf befindet. Das hat alles etwas typisch italienisches. Auch Freunde der Archäologie werden hier fündig und der Besuch des Museums lohnt sich. Und da ist noch unsere überaus nette und warmherzige Vermieterin, die uns den Aufenthalt hier in der Stadt zur Freude macht. Auf dem Weg zu einem Lokal für das Abendessen schlenderten wir durch Gassen, die man bei uns als reine „Glasscheibenviertel“ bezeichnen würde. Ich glaube, sogar schlimmer….Aber hinter den Fassaden verbergen sich kleine Oasen und Schmuckstücke. Auch das Lokal war sensationell. Unsere Vermieterin hat es uns empfohlen. Wir waren nach einem Vorspeisengang (mit sage und schreibe 12 verschiedenen Gerichten) so angesättigt, dass wir nur noch ein Pasta Gericht, einen Salat und eine Nachspeise bräuchten. Alle Gerichte waren typisch sizilianisch und die Zutaten alle aus der Region. Ich glaube, ich muss die Vorspeisen mal aufzählen. Warnung! Weiterlesen, wenn man nicht schon Hunger hat. Also, das waren, grüne Oliven, Kuskus mit Gemüse, Salat mit Huhn, Gekochtes Auberginengemüse, ein Stück Pizza, Schinken, Salami und würziger Schafskäse, Omelett mit Spinat, gefüllte Champignons, Gemüseplanzerl, Fleischbällchen in süß-saurer Soße, Souflee mit allerlei Gemüse, Kartoffelnocken und ein Brot getoastet mit Rohschinken. Ist das nicht eine Vorspeise….Kleiner Nachtrag zur Stadt und auch zu Süditalien selbst. Es sind wirklich tolerante Menschen. Ich glaube ich kann nicht mehr nachrechnen, wie viele Einbahnstraßen wir schon gegen die Fahrtrichtung befahren haben, ohne auch nur einmal angehupt oder angesprochen zu werden. Wir hätten es aber auch oft schwer gehabt in diesem Einbahnstraßengewirr….

Kalt

Kalt – das trifft es für diesen Tag am Besten. Morgens Sonne und wir voller Hoffnung. Mit kurzer Hose und kurzem Trikot starteten wir und haben uns in der ersten Stunde des heutigen Tages weiter an der Südküste vorgearbeitet. Da war alles noch easy….Zu gestern noch ein kleiner Nachtrag. Wir hatten vorzüglich gegessen. Es war eine Vorspeisenteller mit über 10 verschiedenen Leckereien aus dem Meer. Schwertfisch, Thunfisch, Lachs, Meeresfrüchte. Roh, gekocht, püriert, gebeizt, alles war dabei. Die Fische waren alle frisch vom Markt. Als Hauptspeise gab es für Elke eine Fischplatte und für mich (das wir nicht jedermanns Geschmack sein) Pasta mit Seeigel, eine Spezialität des Chefs. Es schmeckte lecker nach Meer. Mir hat es geschmeckt. Es war schön was besonderes. Das ganze wurde mit einem spritzigen Weißwein untermalt. Als Nachspeise war da noch das Mandarinenmus mit Ricottacreme.Zurück zu heute. Als wir ins Inselinnere Richtung Scicli (ausgesprochen „Schikl“) abgebogen sind, überzog sich auf einmal der Himmel und es wurde von Stunde zu Stunde kühler. Scicli liegt in einem kleinen Talkessel und sah in der Anfahrt wie eine typische Kleinstadt Italiens aus, in dem die Zeit stehengeblieben ist. Wegen dieses Charakters der Stadt ist hier auch einer der wichtigen Schauplätze für die Fernsehserie „Kommisario Montalbano“. Das Rathaus von Scicli ist nämlich in der Serie die Polizeiwache. Das sind Parallelen zu unserer bayrischen Serie „Die Rosenheim-Cops“. Da muss auch das Rosenheimer Rathaus als Drehort für das Polizeipräsidium herhalten….Anschließend habe wir einen Abstecher nach Modica gemacht. Auch einer der Barockstädte, die im UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen sind. Nach einer Schleife ins Hinterland, es hat zeitweise wieder genießet, ging es an den Schlussanstieg nach Ragusa. Und das ist die vierte Stadt, die aufgrund Ihrer barocken Kunst in der UNESCO-Liste steht. Es klingt makaber, aber das schlimme Erdbeben im Jahr 1693 hat zwar den ganzen Süden Siziliens zerstört. Der Wiederaufbau im damals angesagten Barockstils war die Grundlage für die Berühmtheit dieses Landstrich. Insbesondere Syrakus, Noto, Modica und Ragusas sind dabei zu erwähnen. All die Städte haben wir nun gesehen. Zu Ragusa werden wir morgen etwas mehr berichten.Der Schlussanstieg brachte wieder etwas Wärme in die Glieder. Bei 8 Grad und Nieselregen war das dringend notwendig…. Morgen geht es weiter ins Hinterland, vermutlich nach Grammichele. Wieder eine bergige Etappe mit über 1000 Höhenmeter….

Um die Südspitze Siziliens…

Heute nur ein kurzer Bericht. Nach dem Regentag war es wieder schön auf den Sattel zu steigen und in die Pedale zu treten.Wir haben ein schönes Naturschutzgebiet gesehen und sind durch ein malerisches Fischerdorf gefahren (Marzamemi). Dann hat uns jedoch ein Regenausläufer des gestrigen Wetters eingeholt….40 Kilometer im Regen und doch war es schön.Trotzdem haben wir es uns am Abend in einem sehr guten Fischrestaurant gut gehen lassen…. Aber dazu vielleicht morgen…Als Entschädigung für wenig Text ein Video….