Finale

Saaleradwanderweg Teil 2 nach Hof. Von Saalburg fuhren wir heute nur noch gut 50 Kilometer. Auch der Hotelangestellte vom Frühstück meinte wie die Dame gestern, dass wir uns heute warn anziehen dürften. Es wird eine harte Etappe. Was haben die alle bloß. Gut, 1000 Höhenmeter sind auch dabei. Das wussten wir. Aber jeder, dem wir von unserem Plan erzählen, ist beeindruckt.Und so machten wir uns auf den Weg. Beim Bäcker noch ein paar Leckereien für Mittag gekauft und los ging es. Anfangs schöne Radwege, geteert. Steigungen waren schon viele dabei. Dazu auch richtig steil. Das muss man sagen.
Ich denke mir, dass sich manche Radwanderer kritisch äußern, weil man recht selten die Saale sieht. Im Gegensatz zu Flüssen wie die Elbe oder die Donau, an der man sehr nahe daran fahren kann. Und dazu rechnen viele nicht mit diesen vielen Höhenmeter, wenn man einen Fluss abwärts begleitet.Dafür befindet man sich mitten in der Natur. Eine sehr schöne, naturbelassene Gegend. Besonders in der Nähe der ehemaligen Grenze BRD / DDR scheint man regelrecht im Biotop zu radeln.Am einer Stelle haben wir ein wenig verweilt. Es war an einem der zahllosen Stellen, an denen wilde Himbeeren wachsen. Diese sind derzeit gerade richtig reif. Und so viele, dass ich in einer Minute eine handvoll beisammen hatte und komplett auffutterte. Das ging ein paar Mal so. Ich glaube, auf dem Markt hätte ich 10 Euro dafür bezahlt. Und wir hätten noch Stunden sammeln können….Nach 53 Kilometer erreichten wir schließlich Hof. Es war wirklich nicht so schlimm. Und wir freuen uns, dass wir auf der Tour von Dänemark nach Bayern so gut durchgekommen sind.
In Kürze werde ich noch die besten Fotos einstellen.Bis dahin macht es gut.
Bis zur nächsten Radreise von Elke und Fritz

Thüringischer (Rampen-)Wald

Von Jena ging es heute an der Saale entlang los zur vorletzten Tour. An der Saale entlang nach Hof. Dachte mir, das ist ja locker. Am Fluss entlangschlängeln wir uns einfach nach Bayern. Doch Pustekuchen.
Raus aus der Stadt ging es auch so wie gedacht los. Dann kamen steile Rampen. So Richtige mit 10 bis 20 % Steigung. Und das hörte einfach nicht auf. Auch längere Anstiege waren dabei….Auf dem Weg lag noch der Ort Kahla. Und von hier gibt es etwas ganz Besonderes zu berichten. Jeder kennt sicher die berühmten Doppelkekse von de Beukelear – die Prinzenrollen. Hier in Kahla werden sie produziert. Einmal interessant zurückzublicken, wie es mit den Prinzenkeksen begann.
1850 begann Edouard de Beukelaer mit der Keksherstellung. 20 Jahre später eröffnete er die erste Keksfabrik in Belgien und erfand den Doppelkeks. Er gab ihm zu Ehren des belgischen Thronfolgers den Namen Le Petit Prince fourré (der kleine gefüllte Prinz). Jetzt wissen wir schon mal, wie es zu dem Namen kam. Und wenn ich das nächste Mal eine reinschiebe, werde ich mich an Kahla erinnern.Zurück zum Saaleradwanderweg. Er war bis zu unserem heutigen Zielort, Saalburg, ganz schön anspruchsvoll. Die steilen Rampen summieren sich auf 75 Kilometer und 1000 Höhenmeter. Aber es sind nicht die Höhenmeter an sich – es war die Steilheit der Anstiege. Dagegen war der Harz Spielzeug…Im Hotel wurden wir gefragt, woher wir kommen. Als wir berichteten, hieß es nur: Viel Spaß, morgen wird’s noch mal schlimmer…. Aber wir lassen uns nicht schocken. Die kennen uns nicht so gut. Es sind morgen noch ca. 50 Kilometer und vermutlich auch knapp 1000 Höhenmeter. In einem Reiseführer hab ich gelesen, was es mit dem Saaleradwanderweg auf sich hat. Hier der Text: „Bergige Landschaft am Oberlauf der Saale mit vielen zu bewältigenden Steigungen machen den Saale-Radwanderweg zu einem der anspruchsvollsten Flussradwege Deutschlands.“
Äha, einer der anspruchsvollsten Fluss-Radwanderwege Deutschlands. Komisch, dass ich solche Strecken immer finde….Freuen wir uns also auf den Schluss morgen nach Bayern. Dann haben wir es geschafft. Von Dänemark nach Bayern….

Auf ein Glas nach Jena

Heute morgen waren wir noch in Bad Frankenhausen. Die Nacht war wieder tropisch. Die Hotelzimmer haben in der Nacht kaum abgekühlt. Ein erneutes Duschen konnten wir uns sparen, denn auf dem Rad klebte man ebenso nach ein paar Kilometern.Bad Frankenhausen hält noch was Spezielles bereit. Die Besonderheit ist der sich seit Jahrhunderten durch geologische Prozesse neigende Turm der im 14. Jahrhundert errichteten Oberkirche. 25 Meter unter dem Turm fließt die Elisabeth-Quelle. Die Spitze ist inzwischen bei 4,60 Metern außerhalb des Lots. Der Turm hat damit die – in Metern – größte Schieflage aller Türme in DeutschlandUnser erstes Ziel war heute Weimar. Die Stadt von Goethe und Schiller. Ach ja, und der Bauhausuniversität. Die Gründung der Weimarer Republik hatte hier ihren Ursprung und wurde nach der Stadt benannt. Eine historische Stadt, über die ich eine Menge berichten könnte. Aber da ich gerade Urlaub habe, schlage ich heute vor, dass ihr Leser mal das Internet anwirft und ein wenig nachlest.Gestern haben wir nach den 100 Kilometer über den Harz am Abend eine Forelle mit Salat und ein paar Kartöffelchen gespeist. Heute nach 60 Kilometer in Weimar stürmten wir Mittags erst mal einen Italiener und bestellten einen Satz Spaghetti. Das tat gut. Der Energieverbrauch gestern und heute war dann doch größer als die Kalorienzufuhr. Nur kein Mitleid. Unsere Tour ist sicher keine Abnehmfahrt. Wir gönnen uns jeden Tag eine Menge Leckereien. Und jetzt kommt der Clou. Es schlägt kein Gramm davon an…. Also Fazit: Wer gesund und gut essen und nicht zunehmen will, muss es uns nur gleichtun…. Also auf geht’s….Man merkt, der Tag war wieder lang. Unsere üblich erscheinenden Kilometer haben wir heute nicht geschafft. Da auf dem Weiterweg wenig Unterkünfte zur Verfügung standen, sind wir in Jena geblieben. Aber 90 Kilometer waren es auch. Jetzt fehlen noch 10 Kilometer auf die 1000-Kilometer-Marke. Ist ja kein Wettbewerb, aber interessant ist es doch, was man so dahinfahren kann.Zu Jena kann ich sagen, dass wir die Stadt gleich sympathisch fanden. Eine Universitätsstadt und daher sehr jugendlich im Publikum. Eine schöne Fußgängerzone, in der auch das Radfahren gestattet ist. Sehr schön. Ist natürlich auch der Platz da und die Menge der Menschen erlaubt dies.Jena ist sicher auch wegen seines Glases berühmt. Das „feuerfeste“ Gebrauchsglas wurde seit den 1920er Jahren in Jena unter dem Markennamen JENAer GLAS produziert und vertrieben.
Mitte 2005 stellte die Schott AG die Produktion von Jenaer Glas am Gründungsstandort des Unternehmens in Jena ein, nachdem in den 1990er Jahren noch mehrere Millionen Mark in eine neue Fertigungsstraße investiert worden waren. Die Marke Jenaer Glas blieb im Besitz des Unternehmens, die Lizenz wurde zum 1. Januar 2006 an die Zwiesel Kristallglas AG vergeben, welche seitdem Produkte im Haushaltswarensegment unter der Marke vertreibt. Jenaglas ist halt ein bekannter Begriff. Zwieselglas hört sich auch lange nicht so edel an wie Jenaglas…..Sonst gibt es nicht viel zu berichten. Vielleicht noch, dass wir eine schöne Schildkröte gesehen haben. Leider im Bach abgetaucht, bevor ich den Fotoapparat zücken konnte. Jetzt könnt ihr es mir glauben oder nicht.Auf morgen und übermorgen freuen wir uns schon. Leider sind das unsere letzten Etappen. Aber es geht jetzt in die Berge des Thüringer Waldes an der Saale entlang nach Bayern. Sicher sehr malerisch. Wir hoffen nur, dass das Wetter auf die letzten Kilometer hält…

Kein soooo großer Brocken…..

Heute sind wir über den Brocken gefahren. Endlich ein Berg nach 800 Kilometer. Ich war soooooo glücklich. Hab gleich mal richtig reingehalten. Dabei einige Radler überholt. Ich kann da nix dafür. Waren einfach im Weg. Auch wenn ich mit Gepäck ein 35 Kilo Rad und dazu noch 5 Liter Wasservorräte hinten draufgeschnallt hatte. Waren heute halt viele Rennradler und Mountainbiker unterwegs am Samstag.

Der Brocken war dann gar nicht so hoch wie erwartet. Den Übergang, den wir gewählt haben war günstig. Aber über den Tag kamen doch 1000 Höhenmeter zusammen. Und – weil es wider statt 39 Grad nur noch 28-32 Grad hatte – haben wir den 100 Kilometer Rhythmus wieder. 105 sind es geworden und wir sind auf dem guten Weg Richtung Weimar. Gestartet sind wir in Sachsen-Anhalt, dann sind wir nach Niedersachsen runter und weiter nach Thüringen. Die Bundesländer wischen gerade so an uns vorbei. Man merkt, ich bin voller Enthusiasmus über den Tag. Höhenmeter machen einfach Laune.

Unter Tags gabs mal einen Waldsnack. Eine Himbeerhecke im Wald lud zum ernten ein. Lecker kann ich nur sagen. Irgendwie waren wir bislang von der Ausbeuten unserer Wegesrandfunde enttäuscht. In anderen Urlauben waren wir in dieser Zeit weiter südlich und dort waren viele Früchte reif und erntefrisch. Nicht dass wir Mundraub begehen… wir sammeln nur auf, was in der Natur so wächst und nicht geerntet wird.

Runter vom Brocken fuhren wir durch Elllrich. Dort wütete am Vortag Nachmittag ein gewaltiger Feldbrand. Hier ist es richtig trocken. 150 Hektar brannten und ein angrenzender Wald wurde noch betroffen. Auch jetzt, einen Tag später, sind noch Feuerwehren dort, um den Brand zu sichern.

Im Zielort angekommen, kauften wir noch Wasservorräte für heute Abend und morgen tagsüber. Und das war gar nicht so leicht. In einem großen Supermarkt (Markenname) gab es so gut wie keine Wasserflaschen in Kunststoff mehr. In Glas würden wir auch lieber nehmen, aber auf dem Rad ist das keine gute Idee, diese zu transportieren. Von den Plastikflaschen standen nur noch Rest-Einzelstücke. Eine Angestellte meinte, sie haben normal noch was hinten im Lager. Aber das ist auch schon weg. Die Neubestellung wird bald kommen. Doch die letzten Tage wurden sie geplündert. Das haben wir schon mal erlebet. In Kuba nämlich. Da ist auch das Wasser zum Kaufen meistens knapp….

Zum Abendessen gehe ich, wie schon in den letzten Tagen, in Badeschlappen. Und auch sonst, wenn ich keine Radlschuhe anhaben, schlüpfen ich in die luftigen Treter. Das ist gar nicht normal für mich. Ich glaube, ich habe in einem Urlaub ein paar Badelatschen durchgetreten…. Und der Sommer ist noch nicht vorbei.

Die nächsten Tage könnten Unwetter kommen. Wir haben noch drei Tage zur Verfügung und müssen noch ca. 200 Kilometer bewältigen. Keine leichte Aufgabe, wenn das Wetter schlecht werden würde. Aber wir lassen da einfach spontan auf uns zukommen. Da sind wir entspannt.

Wieder früh am Start – aber Hitzefrei ab Mittag

Seit drei Tagen fühle ich mich wie beim Militär. Punkt sechs Uhr… äh wie heißt es dort? Um 0600 (nullsechshundert) wecken. Kleidungsappell um 6.30 und antreten beim Frühstück Punkt 7 Uhr. Aber so schafften wir es um 8 Uhr auf die Räder zu steigen und noch vor der schlimmsten Nachmittagshitze am Etappenziel anzukommen. Klingt nicht nach Urlaub? Das werden sich einige fragen. Aber wir sehen das durchaus so und wenn man am frühen Nachmittag schon im Café an einem schattigen Platz sitzt und der Eisbecher herrlich mundet. Spätestens dann ist das frühe Aufstehen vergessen. Und noch ein positiver Nebeneffekt. Der Urlaub ist noch länger. Man nutzt noch mehr von einem Tag.Frühstück in Oschersleben bei Italiener. Typisch weiße Semmeln. Sogenannte 20-Höhenmeter-Semmeln, wie ich die Weißmehldinger immer bezeichne. Denn die Kalorien sind nach 20 Höhenmeter ohnehin schon wieder verbraucht. Doch ist das wirklich so. In der Fahrt durch die Hitze des Tages während in Deutschland Rekordtemperaturen gemessen wurden, habe ich mal nachgerechnet.. Und das kam raus…
Eine solche Semmel hat ca. 150 Kcal. Wenn ich mit 280 Watt (schon ganz schöner Druck auf der Pedal) meinen 35-Kilo-Gaul eine 5%-Steigung hinaufquäle, verbrauche ich für 100 Höhenmeter knapp 200 Kcal. Ich muss mich bei der Semmel entschuldigen – sie hält wenn es pressiert doch für 75 Höhenmeter und nicht für 20… Dafür hab ich mir gleich zwei Semmeln genommen und ordentlich mit Wurst, Salami, Schinken, Käse, Marmelade, Honig,.. Und so weiter belegt. Natürlich der Reihe nach und nicht alles auf eine – versteht sich ja….Zu gestern gibt es noch etwas nachzutrafen. Im Ort Burg gibt es die Knäckebrot Fabrik Burger. Seinen Anfang nahm alles zu Beginn des letzten Jahrhunderts mit einem damals in Deutschland noch unbekannten Produkt, das heute in aller Munde ist – dem Knäckebrot. Eine landestypische Brotspezialität aus Skandinavien, die der Ernährungswissenschaftler Dr. Wilhelm Kraft dort kennen lernte. Schon damals erkannte er den ernährungsphysiologischen Wert und gleichsam den ursprünglich-aromatischen Geschmack dieses knusprigen Brotes. Mit der Gründung der Ersten Deutschen Knäckebrotwerke verfolgte er das Ziel, auch in Deutschland mit Knäckebrot einen wertvollen und unkomplizierten Beitrag zur ausgewogenen Ernährung für Groß und Klein anzubieten. Und das Knäckebrot aus Burg – eben Burger – gibt es noch heute. Seit 2001 gehört Bürger Knäcke zur Brandt-Gruppe (bekannt durch den Zwieback).Heute standen nur ca. 50 Kilometer auf dem Programm. Bei der aktuellen Rekordhitze (gestern wurde in vielen Orten in Deutschland eine Rekordtemperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen aufgestellt) ist es sicher nicht so gesund, den ganzen Tag in der Sonne brüten auf dem Rad zu sitzen. Und so verlief unsere Route über Halberstadt, ein schmuckes Städtchen am Harz. Sehenswert der Dom und weitere Kirchen. Sieht fast so aus wie Altötting, weil man von Weitem so viele Türme sieht. Die Strecke ging weiter über ruhige und verkehrsarme Straßen und Feldwege. Weil wir ganz locker traten, merkte man gar nicht, dass es bis zu unserem Ziel, der Stadt Wernigerode immer leicht bergauf ging. In einiger Entfernung konnte man den Brocken, die höchste Erhebung des Harzes, gut erkennen. Endlich der Anblick eines Berges nach eineinhalb Wochen.Wernigerode haben wir mittags bereits erreicht und sind in einer Eisdiele hängengeblieben. Nach und nach mussten einige Eissorten ausprobiert werden. Die Eisdiele, auf die wir durch Zufall gestoßen sind, wurde auch als eine der Besten Eisdielen in Deutschland prämiert und der MDR hat schon einen Bericht über sie gemacht. Haben wir erst nachher gesehen. Unser unbeeiflusstes Urteil lautete auch – super.Die Stadt haben wir noch bis in den Abend erkundet. Wernigerode ist ein Museum. Nein, es gibt zwar auch Musen hier, aber ich meine die ganze Stadt ist ein Museum. Das Zentrum mit vielen Straßen und Seitenstraße ist ein Kleinod für alte Fachwerkhäuser. 98 % super in Schuss und hergerichtet. Viele Besonderheiten gäbe es da zu berichten. Aber dafür lasse ich die Bilder sprechen.
Die Stadt sieht aus wie vor vielen Jahrzehnten. Da ist klar, dass es gerne als Filmkulisse für Kinoproduktionen herhält, in denen eine alte, deutsche Stadt als Kulisse benötigt wird. Vor einigen Jahren waren George Clooney, Matt Damon, Bill Murrey und noch ein paar Hollywood-Stars hier. Der Film hieß „Ungewöhnliche Helden“.Was auffällt, sind die vielen Touristen aus aller Welt. Die Stadt zieht sie förmlich an. Sie gilt im Ausland vermutlich aus authentische, deutsche Stadt mit historischen Hintergrund. Dabei haben wir eine Beobachtung gemacht, die typisch ist. Auf den Harz verkehrt noch ein Zug mit einer Dampflok mehrfach täglich. Am Bahnhof traf eine der Züge ein, die Leute stiegen aus. Schranken waren noch geschlossen, da auf den Gegenzug gewartet wurde. Der kam dann auch. Und ganz knapp liefen die ersten Touristen über die Gleise, weil sie es nicht erwarten konnten, bis die Schranken öffneten. Eigentlich wollte der Zug nach dem Halt im Bahnhof wieder weiterfahren, da liefen immer mehr über die Gleise, bis der Verantwortliche die Schranken öffnete und das Chaos verhinderte. Nach dem Ausschwämen der Touristen konnte die Schränke nochmals geschlossen werden und der Zug weiterfahren. Touristen in Massen sind schon besondere Herdentiere….Morgen geht es über den Harz weiter nach Süden. Die Temperaturen sollen etwas besser für uns werden. Hoffen wir, dass keine Unwetter auf die heißen Tage folgen. Der Zeitplan ist knapp unser Ziel, Hof in Bayern, mit dem Fahrrad zu erreichen. Wenn es nicht klappt, ja mei würde der Bayer sagen. Dann passts auch, wenn wir einen Abschnitt mit dem Zug fahren….

Weiter durch Sachsen-Anhalt – oder… Es ist noch Deutschland übrig…

Gestern habe ich mir mal frei genommen und nichts gepostet. Nachdem jetzt die heißesten Tage des Jahres und vielleicht Rekordwerte erreicht werden, haben wir uns vorgenommen, die Etappen etwas kürzer zu gestalten. Den Schnitt von 100 Kilometer pro Tag, den wir 6 Tage lang gepackt hatten, geben wir auf. Ist nicht schlimm. Wir haben ja Urlaub. Es ist ja kein Wettrennen. Und dass bisher 100 Kilometer drin waren lag einfach an der leichten Strecke ohne viel Höhenmeter. Gestern wollten wir bis kurz vor Magdeburg kommen. 67 Kilometer geplant und 80 sind es dann geworden. So viel zum Tagesschnitt. Der wurde nur geringfügig unterschritten. 680 Kilometer waren es dann in Burg bei Magdeburg. Zuvor sahen wir uns noch Tangermünde an. Ein reizendes Städtchen.Tangermünde ist Kaiser- und Hansestadt. Liegt im Landkreis Stendal, also in Sachsen-Anhalt. Es ist sicher eine der schönsten Kleinstädte Deutschlands. Das mittelalterlich anmutende Stadtbild hat sich Tangermünde erhalten. Mehr als einen Stopp wert.Dann ging es weiter. Die Temperaturen stiegen ab Mittag über die 35 Grad Marke. Die Hitze macht nicht nur uns als Radfahrer Schwierigkeiten. Auch die Elbe hat Probleme – es herrscht an machen Teilen Niedrigwasser. Bei einem Blick auf die Internetseite der Fähre zur Ostseite der Elbe offenbarte es – wegen Niedrigwasser nicht im Betrieb. Jetzt sind wir extra für Tangermünde auf die Westseite gewechselt. Es gab 3 Kilometer vor der Stadt eine große Brücke, über die wir kamen. Sind schon mal 6 extra Kilometer. Später haben uns Deichbauarbeiten umgeleitet und schon waren noch mal 3 Kilometer Umweg dran. Die restlichen Mehrkilometer ggü. dem Plan sind wie immer „Kleinkram“ – so bezeichne ich das immer. Heißt, hier mal ein Abstecher, Wasser kaufen, da mal etwas interessantes ansehen, was nicht auf dem Weg liegt. Der Kleinkram hat sich seit unserem Start in Dänemark übrigens mehr als 50 Kilometer…. So viel zu Kleinkram….Angekommen in Burg haben wir gleich sehr nette Vermieter gefunden. Die Nikolai-Kirche ist gleich etwas besonderes. Sie ist im romanischen Stil erbaut und noch so gut wie original erhalten. Rings um die Kirche war ein großer Friedhof und die Häuser waren alle etwas weiter weg. Häuser sind in vielen Jahrhunderten oft abgebrannt und haben die Kirchen auch mit vernichtet. Dies blieb dieser Kirche aber erspart. Eine weitere Besonderheit ist, dass sie sozusagen aus Feldsteinen gebaut wurde. Es gibt zwei Kirchen hier. Diese würde von der eher bäuerlich, ärmeren Bevölkerung gebaut worden. Diese haben die Steine nach und nach aus der Umgebung herangeschafft.Sehr schön und imposant ist auch ein ehemaliges Firmengelände, welches heute als Schule Dienst. Es war die Schuhfabrik von Familie Tack. Die Gründung erfolgte 1883 durch den Krefelder Kaufmann Conrad Tack in einer gemieteten Scheune. Mit 20 Schuhmachern und 5 Maschinen produzierte er ca. 50 Paar Stiefel pro Tag. Er beschäftigte erstmalig in der Schuhbranche einen Handelsreisenden. Bald erfolgte die Planung und der Aufbau eines eigenen Fabrikkomplexes. 1905 t produzierten 1050 Mitarbeiter 4000 Paar Schuhe am Tag bei einen Jahresumsatz von 7,6 Mio. Mark dabei besaß die Firma bereits 90 eigene Schuhgeschäfte.In die Zeit nach der Grenzöffnung der DDR wanderten bekanntlich viele Menschen ab in den Westen. Dorthin,, wo Arbeit war. Viele kamen auch wieder zurück. Doch auch jetzt stehen noch viele Häuser leer oder verfallen. Was wir gehört haben, werden solch „vogelfreie“ Häuser nur für Eintragungsgebühren ins Grundbuch vergeben. Damit kann man für wenig Geld ein Grundstück erwerben. Klar, Eigentum verpflichtet. Wenn etwas z. B. einsturzgefährdet ist, muss der neue Eigentümer dafür aufkommen. Trotzdem eine schöne Sache und eine gute Idee, die wir ähnlich im strukurschwachen Sizilien auch schon gehört haben.Heute und morgen geht es auf zwei aufgeteilten Etappen an den Harz heran. Eigentlich als eine Tour überlegt, aber bei den Temperaturen ungesund. Das können die Berufsradfahrer bei der Tour de France machen. Die werden dafür auch bezahlt. Wenn auch nicht fürstlich wenn ich das anmerken darf… Magdeburg werden wir umfahren. In der Hitze durch die Stadt. Die Vorstellung gefällt uns gar nicht. Auch gibt es schönere Städte als Magdeburg. Hier wurde im Krieg sehr viel zerbombt und so gibt es weniger historisches zu sehen. Gut, der Dom und das Hundertwasser Haus… es gäbe schon was….Wenn ich die Tour bisher bin der dänischen Grenze bis hierher charakterisieren müsste, käme ich zu diesem Fazit. Schleswig-Holstein ist die Schweiz des Nordens, hügelig. Dann die Elbe und bis jetzt zum Harz bretteben. So was habe ich noch nicht gesehen. Jetzt nach 5 Tagen Flachland, auf dem die Sprints auf Deiche und Autobahnbrücken die höchsten Erhebungen waren kommen wieder Anstiege. Elke meint Schade… aber wir beide freuen uns auf die Abwechslung.Erst sind wir lange am Elbe-Havel-Kanal und dem Mittellandkanal entlang. Bei Hohenwarte eine bauliche Besonderheit. Der Kanal überquert Due Elbe auf einer Brücke. Vor dem zweiten Weltkrieg angedacht und nicht umgesetzt. Von der DDR Regierung mangels Geld nicht gebaut. Aber jetzt gibt es die Kanalbrücke. Ein tolles Bauwerk. Die Kanalbrücke Magdeburg ist mit einer Länge von 918 m die größte Kanalbrücke Europas und Teil des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg. Das Trogbrückenbauwerk führt den Mittellandkanal über die Elbe.60 Kilometer waren geschätzt. 68 sind es geworden für den ersten Tag. Wir sind jetzt in Oschetsleben. Bekannt für seine Rennstrecke für Motorräder und Autos. Auch ein 24-Stunden Rennen für Radfahrer wird hier ausgetragen.Während der letzten Stunde hatte es dann immer zwischen 36 und 39 Grad. Wahnsinn, da steigt der Puls alleine vom herunterkühlen der Körpertemperatur. Wir fuhren wie gestern einfach sehr langsam. Obwohl man versucht ist, schneller zu fahren, damit der Fahrtwind kühlt. Aber als erfahrener Radfahrer weiß man, dass man zwar mehr kühlenden Fahrtwind bekommt, aber das mehr an Anstrengung den Körper noch höher aufheizt. Sonst könnte man ja so schnell fahren, dass man erfriert… interessante Idee, aber physikalisch unmöglich….
An was man alles denkt, wenn einem eine heiße Fönluft ins Gesicht bläst…Morgen fahren wir noch ca. 50 Kilometer nach Wernigerode. Wir freuen uns schon darauf, weil uns viel von dieser schönen Stadt vorgeschwärmt haben. Bleibt also spannend. Mal sehen, was wir berichten können….